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Weshalb es sich lohnt, umfassend zu handeln

Umfassend handeln

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Und welche Auswirkungen Ihr Handeln hat

Wir sind voneinander abhängig. Ohne andere schaffen wir nichts.

Das ist ein Fakt, an dem wir nicht vorbeikommen, mit dem wir aber unterschiedlich umgehen können. Welche Wahl wir dabei treffen, entscheidet massiv über unseren Einfluss und die transformative Kraft unseres Handelns.

Entweder fokussieren wir uns strikt auf unser eigenes Wohlergehen: Das ist der kompetitive Ansatz, gemäß der Redensart, „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht.“ Oder aber wir ziehen das Wohlergehen aller Beteiligten in Betracht, das ist der partizipative Ansatz. Beide Vorgehen können zu Erfolg führen, beide zeitigen aber – gesamtgesellschaftlich betrachtet – vollkommen unterschiedliche Ergebnisse. Das lässt sich gut an zwei sehr verschiedenen und höchst erfolgreichen Unternehmen festmachen: Volkswagen, einem der drei größten Autohersteller der Welt, und der ägyptischen Sekem-Gruppe, die unter anderem biologische Lebensmittel herstellt.

Der kompetitive Ansatz

In der Automobilindustrie herrscht eine große Abhängigkeit von Dienstleistern und Zulieferern. Im Schnitt fertigt ein Autohersteller nur 25 Prozent des Autos selbst, die restlichen Dreiviertel kommen von Zuliefern. Zugleich gibt es einen hohen Kostendruck und starke Konkurrenz unter den Dienstleistern. Die Hersteller nutzen das, um Zulieferer abhängig zu machen, bringen sich dabei selbst aber in die Bredouille. So musste Volkswagen im Herbst 2016 in mehreren Werken die Produktion einstellen, nachdem sich ein Zulieferer nach einem Streit über Aufträge geweigert hatte, Sitzbezüge und Getriebehäuser zu liefern. Doch nicht nur der Umgang mit den Zulieferern, sondern die gesamte Firmenkultur ist hochproblematisch. Die Dieselgate-Affäre hat gezeigt, dass Regeln systematisch gebrochen wurden zum Schaden von Kunden und Gesellschaft. 

Das Ergebnis ist ein Produkt, das gesellschaftlich in vielfacher Hinsicht toxisch ist. Sozial, wenn wir den Umgang mit Dienstleistern betrachten. Ökologisch, wenn wir den direkten und indirekten Ressourcenverbrauch, der durch das Auto hervorgerufen wird, betrachten. Und politisch, wenn wir an den enormen Regulierungsaufwand für die Branche denken und an ihre Macht, genau diese Regulierung zu unterlaufen. Das Auto und das damit verbundene Mobilitäts- und Wohlstandsversprechen ist Kern unserer ökologischen Krise. 

Der partizipative Ansatz

„Nachhaltige Entwicklung zu einer Zukunft, in der jeder Mensch sein individuelles Potenzial entfalten kann (…) und in der alle wirtschaftlichen Tätigkeiten nach ökologischen und ethischen Prinzipien durchgeführt werden“, so hingegen beschrieb der Ägypter Ibrahim Abouleish seine Vision bei der Gründung von Sekem. 1977 beschloss er, auf 70 Hektar Wüstenboden biologisch-dynamisch Bäume anzupflanzen. Sekem wurde damit in Ägypten zum größten Markt für biologisch-dynamische Lebensmittel außerhalb Europas. Zur Gruppe mit ihren mehr als 2.200 Mitarbeitern gehören ein Textilunternehmen, ein Hersteller für naturheilkundliche Medikamente sowie eine Universität. 

Mit Sekem hat Abouleish nicht nur gezeigt, wie Wüste urbar gemacht werden kann, sondern einen Konzern gegründet, der auf vielen Ebenen in die Gesellschaft hineinwirkt. So gehen 10 Prozent des Jahresgewinns der Gruppe an die Sekem-Stiftung, die damit unter anderem Schulen und medizinische Versorgung finanziert.

Unternehmen wie Sekem, die regenerierend agieren, haben einen ganzheitlichen Blick und ziehen alle Aspekte der Produktion und des Lebens in Betracht. Der Effekt: Auch diese Unternehmen arbeiten kostengünstig, weil der sorgsame Umgang mit Ressourcen ein wichtiger Teil ihrer Betrachtung ist. Nur erreichen sie damit weit mehr als kompetitiv agierende Unternehmen. Gesamtgesellschaftlich sind ihre Produkte besser, sie bauen starke Netzwerke auf und mindern so Risiken. Sie stärken die eigene Weiterentwicklung, werden als Organisation resilienter. Und sie wirken gesellschaftlich stärkend, weil sie ein Interesse an einer starken Zivilgesellschaft haben.

Zitat: Unsere Wirtschaft braucht Transformation. Seien Sie Teil der Lösung und nicht des Problems.
Unsere Wirtschaft braucht Transformation. Seien Sie Teil der Lösung und nicht des Problems.

Was Sie tun können

Egal, wie groß Ihre Unternehmung ist, Sie haben immer die Wahl: Wollen Sie Teil der notwendigen Transformation unseres Wirtschaftens sein? Dann ist Ihr erster Schritt die Klärung Ihrer Kundenbeziehung. Das, was Sie dort lernen und anwenden, übertragen Sie dann auf alle relevanten Beziehungen, die zu Ihrem Geschäftserfolg beitragen. Im Ganzen sind dies sechs:

  • die Kunden: jene, die von dem Produkt, dem Ergebnis oder der Dienstleistung profitieren 
  • die Mitgestaltenden: also alle, die an der Herstellung mittelbar beteiligt sind
  • die Natur: diejenige, die alle wesentlichen Ressourcen zur Verfügung stellt
  • der Ort: der Platz, an dem wir handeln, mit seinen Besonderheiten 
  • die Gemeinschaft: das soziale System, innerhalb dessen wir uns bewegen
  • die Unterstützer: alle, die zur Herstellung etwas beitragen, ohne direkt involviert zu sein, beispielsweise Investoren.

Das volle Potential Ihres Projektes entfalten Sie, wenn Sie die Perspektiven jedes dieser Systembereiche miteinbeziehen. Drei Fragen helfen Ihnen dabei:

  • Worin besteht der einzigartige Beitrag, den der Bereich leistet? 
  • Was ist notwendig, damit der Bereich sein Potenzial entfaltet? 
  • Welchen Einfluss haben Sie selbst auf diese Beziehung?
Zitat: Ein Projekt entfaltet sein volles Potential, wenn die Perspektiven aller Beteiligten einbezogen werden.
Ein Projekt entfaltet sein volles Potential, wenn die Perspektiven aller Beteiligten einbezogen werden.

Die Kunden

Die Kunden wollen ein sinnstiftendes und erfülltes Leben führen. Ihr Produkt ist nur dann sinnvoll, wenn es die Kunden dabei unterstützt und in ihrem Leben einen bedeutenden Unterschied macht. Das gelingt Ihnen, wenn Sie die Sehnsüchte und Bedürfnisse Ihrer Kunden verstehen, möglicherweise noch bevor diese sie selbst erkennen und benennen können. Was es dazu braucht, ist eine direkte und andauernde Auseinandersetzung mit Ihren Kunden und Nutzern. 

Mitgestaltende

Mitgestaltende sind all jene, die an der Herstellung des Produktes oder der Erbringung einer Dienstleistung teilhaben. Sie leisten einen einzigartigen Beitrag, ohne den das Ergebnis entweder gar nicht zustande kommen oder wesentlich schlechter ausfallen würde. Das sind Ihre Angestellten und externen Mitarbeiter ebenso wie Ihre Lieferanten und diejenigen, die Ihre Produkte vertreiben. Ihre Mitgestaltenden arbeiten mit Ihnen zusammen, um ihre Einzigartigkeit zu entfalten und dadurch selbst ein sinnstiftendes und erfülltes Leben zu führen. In dieser Beziehung entfalten Sie das Potential, indem Sie jeden in der Herstellungskette mit dem Endergebnis in Verbindung bringen und sich wirklich auf Co-Creation, auf das gemeinsame Tun einlassen – auf Augenhöhe und in voller Wertschätzung. Sehen Sie sich selbst dabei als Teil einer Kette. Was Ihre Dienstleister für Sie sind, sind Sie für Ihre Kunden. 

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Die Natur

Die Natur ist die Schöpferin aller, wirklich aller Ressourcen, die wir für unser Leben, für unsere Arbeit benötigen. Sie bietet einen Reichtum an vielen unterschiedlichen und dynamisch ineinander übergehenden lebenden Systemen. Über Millionen von Jahren hat sich die Natur zu einem immer komplexeren, reichhaltigeren Leben entwickelt. Das größte Interesse der Natur besteht somit darin, dass diese Systeme wachsen und sich weiterentwickeln können. 

Der zentrale Grund, weshalb die Natur in so unfassbar vielen Bereichen degeneriert, liegt in unserem Denken. Wir betrachten immer Einzelheiten, lernen, ein System zu zerlegen, und übersehen dabei die unermessliche Vielfalt an Beziehungen, die diese Systeme erst lebendig machen. Handeln wir aus der Detailsicht heraus, so zerstören wir die Beziehung: Wir sezieren den Frosch und am Ende ist er tot. Die Natur aber verlangt, dass wir den Frosch in seinem Sein und Tun beobachten, damit wir erfahren, wie vielfältig sein Werden eingebunden ist in das, was ihn umgibt. Das verlangt, dass wir uns selbst als Menschen nicht als etwas von der Natur Getrenntes betrachten, sondern verstehen, dass wir Teil eines Ganzen und auf vielfältigste Weise in dieses Ganze eingebunden sind. 

Wenn Sie also der Natur etwas entnehmen, so müssen Sie die einzigartige Aufgabe dieses Materials verstehen, innerhalb Ihres Projektes wie innerhalb des umfassenden Lebens. Sie sollten erkennen, wann Sie zu viel entnehmen und damit Systeme zerstören. Überlegen Sie, welche Prozesse und Effekte im Rahmen Ihres Herstellungsprozesses entstehen. Ihr Ziel dabei ist, alles Toxische zu eliminieren und jedes Material am Ende der Nutzung wieder in den Kreislauf zurückzuführen. Betrachten Sie nichts als Abfall, sondern als Rohstoff.

Zitat: Kreislauf bedeutet, nichts als Abfall, sondern alles als Rohstoff zu betrachten.
Kreislauf bedeutet, nichts als Abfall, sondern alles als Rohstoff zu betrachten.

Orte

Orte spielen in Herstellungsprozessen eine vielfältige Rolle – angefangen beim Ort, an dem Ihre Firma ihren Sitz hat bis zu den Orten, an denen Sie Rohstoffe entnehmen oder weiterverarbeiten. Jeder dieser Orte ist einzigartig und lässt sich durch seine unterschiedlichen Ressourcen und Eigenschaften beschreiben, durch seine Kultur und Geschichte ebenso wie durch das Materielle, das ihn prägt. All das bestimmt, welcher Art Ideen und auf welche Weise Sie diese dort realisieren können. Jeder Ort hat dabei das Interesse, seinen spezifischen Charakter zu erhalten und weiterzuentwickeln. Und mit Ihren Handlungen haben Sie darauf einen großen Einfluss. Behandeln Sie also jeden Ort so, dass sich seine Möglichkeiten für andere Menschen, Tiere und Pflanzen erhöhen. Wenn beim Abbau von Rohstoffen verbrannte oder vergiftete Erde hinterlassen wird, dann verletzen Sie diese Regel. Wenn Sie hingegen ökologisch sensibel vorgehen und faire Strukturen (Bildung, Medizin etc.) für die Menschen vor Ort schaffen, nicht. 

Gemeinschaft

Durch Ihr Handeln kommen Sie mit vielfältigen Gemeinschaften in Berührung. Diese sozialen und politischen Gemeinschaften bestimmen über Ihre Möglichkeiten zu handeln und geben Ihnen rechtliche Rahmenbedingungen vor. Deswegen haben wirtschaftlich starke Unternehmen ebenso wie wirtschaftlich schwache Staaten häufig das Interesse, gesellschaftliche Regelungen und Gesetze auszuhöhlen. Erstere, um die Konkurrenz zugunsten ihres eigenen Profits zu nutzen, Letztere, um in der gleichen Konkurrenzsituation überhaupt bestehen zu können.

Jede Gemeinschaft möchte für seine Bewohner eine funktionierende Struktur schaffen. Die Konkurrenz zwischen politischen Einheiten, ob Gemeinden oder Staaten, untergräbt jedoch genau dieses. Denn das Einzigartige einer Gemeinschaft, das, was sie attraktiv macht, verschwindet zugunsten eines Uniformen. Damit verlieren die Gemeinschaften an Substanz und auch die Möglichkeit, funktionierende Strukturen zu erhalten. Haben Sie ein Interesse an starken politischen und sozialen Strukturen! Starke – im Sinne von Gemeinschaft stärkende – Regularien sind ein wesentliches Korrektiv für Ihr Handeln. Tragen Sie Sorge dafür, dass die Qualität der Politik vor Ort besser wird, stärken Sie die Stabilität der Gemeinschaft und schätzen Sie ihren individuellen Charakter wert. 

Investoren

Diejenigen, die Unternehmen und Entwicklungen finanzieren, spielen im allgemeinen Wirtschaftsleben eine große Rolle und haben – durch gesetzliche Regelungen, die ihr Investment schützen – eine starke Stellung. In unserer Betrachtung stehen sie jedoch an letzter Stelle. 

Investoren wollen für das Risiko, das sie eingehen, finanziell entschädigt werden. Doch der Rückfluss aus ihren Investitionen ist nur eins von mehreren Zielen, das sie verfolgen. Denn auch sie haben, wie jeder Mensch, Interesse daran, vor allem sinnstiftende und erfüllende Arbeit zu leisten. Ihre Finanzmittel sind dabei Mittel zum Zweck, auch sie wollen Anteil an der inhaltlichen Arbeit haben. Diesen Aspekt können Sie im Sinne des gesamtgesellschaftlichen Wohls stärken, indem Sie fragen: Welchen Wert in der Welt schaffen die Investoren durch ihre Arbeit und durch ihre finanziellen Mittel? Welchen Werten folgen sie in ihren Investments? Investoren beraten häufig, was gerne als Einweg-Kommunikation betrachtet wird. Doch das muss nicht so sein. Nutzen Sie die Chance, aus dieser Beratung eine Begegnung in Gegenseitigkeit zu schaffen, indem wiederum Sie Ihre Investoren beraten. 

Die Reihenfolge bestimmt den Fokus

Fangen Sie bei Ihrem Vorgehen immer mit den Kunden an und durchlaufen Sie die Reihenfolge dann wie oben beschrieben. Erst am Ende gelangen Sie dann zu den Investoren. Wieso nicht umgekehrt, wie es oftmals in der Praxis geschieht? Schließlich sind es doch häufig die Investoren, die ein Geschäft erst zum Laufen bringen?

Die Kunden sind diejenigen, für die Sie Wert schaffen, ihre Probleme sind der Fokus Ihres Handelns, die Investoren unterstützen Sie dabei. Wenn Sie sich jedoch auf die Geldgeber fokussieren, vernichten Sie Werte. Sie sehen das in vielen Firmen, die sich in schwierigen Situationen vor allem auf Einsparungen konzentrieren. Dadurch verlieren sie den Kunden aus dem Fokus und treffen oft Entscheidungen, die gegen die Interessen der Kunden sind: Produkte werden billiger hergestellt und halten infolge kürzer. Mitarbeitern werden Unterstützungen gestrichen, was demotiviert. Kunden sehen sich damit konfrontiert, dass sie für einen eingeschränkten Service oder ein schlechteres Produkt das Gleiche bezahlen sollen wie früher. Nur, wer will das schon? Wenn Sie aber nach den Kunden und Mitgestaltenden die Beziehung zur Natur betrachten, erhalten Sie ein ganz anderes Verhältnis zu den Ressourcen. Sie lernen, wie effektiv die Natur mit ihren Rohstoffen umgeht. Hier ist nichts wertloser Abfall. Hier wird jedes Material nach seiner Verwendung zum Ausgangspunkt für etwas Neues. Das ist ein Ansatz, der am Ende auch den Investoren zugutekommt. 

Jeder Schritt kann transformativ sein

Kompetitiv oder partizipativ – damit treffen Sie eine Entscheidung über die transformatorische Kraft Ihres eigenen Handelns. Egal ob Volkswagen oder Sekem, der gesellschaftliche Einfluss dieser Unternehmen ist enorm. Doch während die einen Teil des Problems sind und dieses massiv vergrößern, arbeiten die anderen an der Lösung. 

„Das, was Dir guttut, tut auch mir gut.“ Im regenerierenden Handeln nehmen wir Abschied vom Denken in Konkurrenz. Und das können Sie überall üben. In jeder Begegnung können Sie sich fragen: Was kann ich tun, das uns beiden nutzt? 

Lassen Sie sich selbst von Ihrer eigenen Antwort überraschen!


BESSER SELBST DENKEN – Unser Fortbildungsangebot rund um Thinking Environment® und regenerierendes Handeln SAMU | LERNHAUS
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